Von den guten Filmen oder „Ein Festival muss das Kino feiern“ – Ein Bericht über das 9. Fünf Seen Filmfestival

Zum neunten Mal öffnen sich die Tore des Fünf Seen Filmfestivals. Noch bis zum 9. August laufen insgesamt 160 Filme vor einmaliger Kulisse.

Eröffnungsfilme können mitunter eine heikle Angelegenheit sein. Das weiß auch Matthias Helwig, Leiter des Fünf Seen Filmfestivals. Er hat sich in diesem Jahr für „Schweizer Helden“ von Peter Luisi entschieden. Bewusst, wie er sagt. Denn die Thematik des Mit- und Nebeneinanders von Durchschnittsbürgern und Asylsuchenden ist nicht nur höchst aktuell, sondern auch im Fünf-Seen-Land politisch brisant. Integration – ein ernstes, ein wichtiges Thema, das in Luisis Film auf charmante und zugleich nachdenkliche Art und Weise entwickelt wird. „ Natürlich ist es schwer, einen einzelnen Film zu platzieren“, meint Helwig. „Aber ein Festival ist ein Event, bei dem ich versuchen kann, Aufmerksamkeit zu lenken und hoffen, dass die Wahrnehmung eines Films auch außerhalb des Spielortes um sich greift.“

Helwig betreibt die Breitwand-Kinos in Starnberg und Umgebung. Aus privatem Antrieb fuhr er jahrelang nach Berlin und Venedig, besuchte Festivals, schaute sich durch Filme. Was blieb, war das Bedauern, dass so viele kleine Filme es nicht auf unsere Leinwände schaffen. 2007 entschied er sich dazu, selbst ein Festival zu organisieren. Die Resonanz war unerwartet groß, das filminteressierte Publikum lobte vor allem die Qualität des Programms. Daran hat sich bis heute nichts geändert – professioneller sei man geworden, sagt der Festivalleiter. Geblieben sind vor allem der persönliche Zugang des vergleichsweise kleinen Teams und die Teilhabe der Region am FSFF. Den Besucherkern bildet das Stammpublikum aus den Gemeinden rund um Starnberg. Das Interesse und die Bekanntheit des Festivals nehmen aber immer mehr zu, was sich laut Helwig besonders bei den Akkreditierungen bemerkbar macht.

Kunst und kultureller Anspruch spielen beim FSFF die Hauptrolle. „Oft hat man bei Festivals das Gefühl, dass sie sich zu vielen Bedingungen unterwerfen, statt auf die Filme zu achten.“ Die guten Filme seien aber doch das wichtigste. „Ein Filmfestival muss das Kino feiern!“ Viel Pathos liegt in diesem Satz – und Verantwortung. Denn Filmfeste, da ist sich Matthias Helwig sicher, spielen eine zentrale Rolle bei der Förderung von Debüt- und Zweitfilmen. Die Offenheit der jungen Generation gegenüber kleinen Filmen sei früher größer gewesen. Vielleicht läge es daran, dass das Problempublikum der 18 bis 30-jährigen heute von Mainstream-Filmen erschlagen sei. Mit der Sektion „Perspektive junges Kino“ will man deshalb den Newcomer- und Absolventenfilmen einen eigenen Raum geben.

Den spannendsten Moment hat der Festivalleiter übrigens schon hinter sich: „Schweizer Helden“ sahen am ausverkauften Eröffnungsabend über 700 Menschen.

Text: Leonie Gruber

(c) FSFF; Wörthsee, Open Air am Augustiner

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