Harte Actionhelden mit Gefühl – Interview zu Hard Way – The Action Musical

Daniel Vogelmann bei den Proben mit dem Team (c) Daniel Sommer

Mit dem FFF-geförderten Action-Musical »Hard Way« haben Regisseur Daniel Vogelmann, Kameramann Kaspar Kaven und Komponist Jakob Klotz einen Genrefilm über ein tanzendes und singendes SWAT Team realisiert. Im Interview berichten sie, wie die Idee zu dem Genre-Mix entstand, welche musikalischen Vorbilder sie hatten und welche Herausforderungen sie während der Dreharbeiten überwinden mussten.

Daniel, „Hard Way“ ist nach dem mehrfach ausgezeichneten Mysterythriller „Welk“, den ihr auch bereits zusammen gedreht habt, dein zweiter Genrefilm. Was reizt dich so an Genrefilmen?

Daniel: Genrefilme waren die ersten Filme, die mich überhaupt dazu gebracht haben, Regisseur zu sein und Filme machen zu wollen. Horrorfilme wie zum Beispiel Der Exorzist, Das Omen und natürlich Actionklassiker wie RoboCop haben mich beeindruckt. Ich wollte schon immer emotional mitgerissen werden. Das habe ich besonders bei Genrefilmen, schon als Kind und Jugendlicher, erlebt. Genrefilme schaffen es, dass ich mich lebendig fühle. Und dieses Gefühl ist seitdem geblieben.

Mit „Hard Way“ hast du das „weltweit erste“ Action-Musical, einen Genre-Clash, realisiert. Wie kamst du auf die Idee, diese beiden Genres zu vermischen?

Daniel: Hard Way war vor fünf bis sechs Jahren zuerst als Musikvideo geplant, in dem wir ein SWAT Team tanzen lassen wollten. Die Idee wurde zwar nie umgesetzt, aber wir haben immer wieder darüber gesprochen. An einem Abend hat Jakob vorgeschlagen, dass wir aus der Idee ein Musical machen könnten. Der Genre-Mix ist einfach passiert, ohne dass es geplant gewesen wäre. Wir haben die zwei Genres nicht bewusst gemischt.

Jakob: Es ist wirklich einfach passiert. Es war eine Biergeburt (lacht).

Wie seid ihr dann weiter vorgegangen, als die Idee geboren war?

Daniel: Ich habe den Produzenten Florian Gengnagel und Sebastian Bandel von Fireapple davon erzählt. Wir haben uns in einem Café getroffen. Als ich ihnen die Idee vorgestellt habe, waren sie auf einmal ganz aufgeregt. Sie haben mich gebeten, keinem anderen davon zu erzählen und wollten sich in den nächsten 24 Stunden entscheiden. Als ich kurz auf der Toilette war und zurückkam, haben sie mir sofort zugesagt. Somit waren Florian Gengnagel und Sebastian Bandel an Bord. Von da an konnten wir nicht anders und mussten loslegen. Das war der Startschuss. Daraufhin haben wir angefangen, das Drehbuch zu entwickeln und Musik zu machen.

Actionfilme thematisieren meist äußere Konflikte, Musicals eher innere Konflikte. Was musste die Geschichte beinhalten, damit diese Verbindung von Actionfilm und Musical funktioniert?

Daniel: Ich habe mich früh entschlossen, thematisch zwei Welten aufeinander prallen zu lassen. Etwas Hartes sollte auf etwas ganz Weiches stoßen. Wie auch der Actionfilm mit dem Musical kollidiert. Hard Way handelt von einem harten Actionhelden, der seine Gefühle entdeckt und am Schluss lernt, dass er zu seinen Gefühlen stehen muss, um sich in dieser Welt behaupten zu können. Die äußere Handlung von einer „Bösewichtin“, die gefasst werden muss, hätte man natürlich schnell erzählen können. Wir haben aber die emotionale Reise der Hauptfigur in den Mittelpunkt gestellt. Das ist der große Unterschied zu herkömmlichen Actionfilmen. Bei uns spielt die emotionale Reise durch das Musical bedingt eine größere Rolle. Actionfilme könnten viel emotionaler erzählt werden, wenn man tiefer in die Geschichte hineingehen und emotionale Untiefen ausloten würde. Wenn ich noch einmal
einen Actionfilm machen darf, auch ohne Musical-Komponente, würde ich darauf ganz viel
Wert legen.

Die Story ist sehr explosiv. Wie arrangiert sich die Musik dabei?

Jakob: Es gibt Songs, die total nach vorne gehen und auch durch eine offensichtliche Choreographie unterstützt werden. Das sind echte Musical-Songs, bei denen die Schauspieler tanzen und mitgehen. Aber es gibt auch Stellen, die ein wenig dezenter sind. Beim Musical-Song entwickelt sich der Song, je nachdem, was gerade im Drehbuch passiert. Von Gospel bis hin zur Ballade ist alles dabei. Manche Stücke klingen total nach Musical,
andere überhaupt nicht. Die könnte man auch im Radio spielen (lacht). Die Songstruktur ist
natürlich auch eine andere. Ein klassischer Song hat eine Strophe, den Chorus und ein Ende.
Beim Musical-Song hingegen entwickelt sich der Song, je nachdem was gerade im Drehbuch passiert.

Wie viele Songs habt ihr komponiert?

Jakob: Wir haben insgesamt zehn Songs komponiert, wobei manche ineinander fließen.

Daniel: Es gibt ein Grundthema, das variiert wird. Drei oder vier der Songs nehmen immer dieses Thema auf und passen es der jeweiligen Stimmung und der Figur, die es gerade singt, an.

Hattet ihr musikalische Vorbilder?

Jakob: Wir haben uns an unseren Lieblingsbands orientiert wie „Queen“ oder „Muse“.

Daniel: „Queen“ war uns sehr wichtig.

Jakob: Wir haben in alle Richtungen recherchiert und uns überlegt, wie wir stilistisch vorgehen. Wir hatten einen festen Tag in der Woche – den „Musical Monday“. An dem Tag haben wir uns getroffen und die Songs zusammen geschrieben. Dabei haben wir weniger Musical-Songs gehört, sondern einfach Songs, die uns gefallen.

Habt ihr mit den Schauspielern die Songs zusammen einstudiert?

Jakob: Das hat Daniel gemacht. Ich war der Back-up in München, während Daniel am
Drehort mit den Darstellern geprobt hat. Das war sehr gut, da gelegentlich noch kleine Änderungen kamen, die ich von München im Studio aus machen konnte.

Daniel: Ein Song war zum Beispiel zu hoch und musste transponiert werden …

Jakob: … oder wenn ein Intro zu kurz war. Viele Songs haben auch keinen richtigen Takt, da sie sehr orchestral sind. Ich konnte dann von München aus noch etwas in die Stücke einbauen, was den Schauspielern einen Takt vermittelt.

Daniel: Aber die Schauspieler haben sich sehr akribisch vorbereitet. Wir haben ihnen die Musik so früh wie möglich zukommen lassen. Als sie zu den Proben kamen, hatten sie die Texte schon einstudiert. Daher konnten wir uns schnell auf das Spiel und das Tanzen konzentrieren.

Habt ihr ausschließlich mit Musical-Darstellern gearbeitet?

Daniel: Nein, das war eine ganz wilde Mischung. Unser Hauptdarsteller, Oliver Tompsett, ist
tatsächlich Musical-Darsteller und kann genial singen, schauspielern und tanzen. Er hat alles
drauf. Hannah Britland, die die weibliche Hauptrolle spielt, ist Schauspielerin und Sängerin.
Professionell hat sie bisher nicht getanzt.

Jakob: Dafür hat sie es aber ziemlich gut hinbekommen.

Daniel: Das hat sie mit Ehrgeiz geregelt. Sie hat Tag und Nacht geübt. Im Hotelzimmer hat man sie immer gehört. Sie war am Schluss richtig gut. Der Rest vom Team waren Schauspieler, die ein gutes Körpergefühl, Martial Arts- oder Capoeira-Erfahrung hatten.

Kaspar: Für das Casting war es aber eine der größten Herausforderung, Darsteller zu finden,
die in so viele Richtungen begabt sind. Bei einem normalen Casting ist es schon schwierig, die
passende Person für deine Figur zu finden. Bei uns jedoch war es dreimal so schwer, jemanden zu finden, der gut tanzen, singen und schauspielern kann.

Daniel: Ja, das war bei dem ganzen Projekt tatsächlich die stärkste Herausforderung.

Wo habt ihr überall gecastet?

Daniel: In London haben wir die drei Hauptrollen gecastet, in Berlin das ganze BEAT Team und in München die Tänzerinnen.

Kaspar Kaven und Daniel Vogelmann (c) Daniel Sommer

Ihr habt komplett auf Englisch gedreht. Warum wolltet ihr kein deutsches Musical machen?

Daniel: Es war nie eine Überlegung, auf Deutsch zu drehen. Weder Actionfilm noch Musical sind Genres, in denen wir Deutsche nennenswertes in der Filmgeschichte beigetragen hätten. Beides sind sehr amerikanische Genres. Deshalb war klar, dass die Geschichte in den USA spielen muss.

Kaspar: Die Sprache hilft auch bei den Songs.

Jakob: So wirkt es weniger peinlich (lacht).

Die Konflikte werden singend ausgetragen. Wie schafft ihr es, dass dabei die notwendige Ernsthaftigkeit der Geschichte bestehen bleibt, ohne dass es lächerlich wirkt?

Jakob: Es soll nicht lächerlich sein. Es soll krass sein … .

Daniel: … ein bisschen trashig … .

Jakob: … und peinlich darf es natürlich auch sein. Die Songs nehmen sich nicht zurück. Wenn eine Ballade gesungen wird, dann ist es auch eine Ballade – für jeden Menschen auf dieser Welt klar erkennbar. Wir geben Vollgas. Das mag der eine peinlich finden oder übertrieben. Im Prinzip war es uns von vornherein klar, und wir wollten das auch so.

Daniel: Wir haben immer einen Film machen wollen, der ganz hervorragend wird oder komplett scheitert und untergeht. Kein Mittelweg. Nichts, was angepasst ist, was in irgendeiner Form Kompromisse eingeht. Bei jeder Entscheidung, die wir gefällt haben, haben wir uns immer für ein Extrem entschieden. Wenn man so arbeitet, birgt es ständig das Risiko, dass es auch missglückt. Und das liebe ich.

Die Geschichte beinhaltet großangelegte Szenen mit viel Action, Schießereien, Explosionen und Stunts. Wie seid ihr damit zurecht gekommen?

Kaspar: Es kamen viele Effekte im Drehbuch vor, mit denen wir vorher noch keine Erfahrung
gemacht haben. Dadurch war es schwierig, einschätzen zu können, wie viel Aufwand das bedeutet. Dafür mussten wir jede Szene sehr präzise und genau vorbereiten. Bis zum Schluss
blieb ein Restrisiko bestehen, ob wir alles in der Zeit schaffen werden. Wir hatten zum Glück
tolle Unterstützung von SFXlern, die Spezialeffekte wie Explosionen und Einschüsse gemacht
haben, oder auch Experten, die sich um die Waffen gekümmert haben.

Daniel: Ich habe es ehrlich gesagt als leichter empfunden, als ich es jemals gedacht hätte. Im Voraus hatte ich so viel Respekt vor dem Projekt. Ich lese viele Biographien von Regisseuren und viele, die Actionfilme drehen, haben schon mit zwölf Jahren angefangen und hatten ganz viel Erfahrung mit Action. Auf der Genrenale in Berlin habe ich den Regisseur Christian Alvart auf einem Panel reden gehört. Er hat erzählt, wie er als Jugendlicher Verfolgungsjagden gedreht hat. Wenn etwas nicht funktioniert hat, hat er wieder von vorne angefangen. Da dachte ich, was maßen wir uns bloß an, von null auf hundert Actionsequenzen zu drehen.

Ihr habt die Actionszenen vorher nicht geprobt?

Daniel
: Nein, wir haben nur theoretische Sequenzen im Kopf geprobt und Storyboards gemacht. Am Set hat alles gut funktioniert, da wir sehr gute Unterstützung von Profis hatten, die sofort gesagt haben, was funktioniert und was nicht. Wir haben viel gelernt, was die Einstellungen betrifft. Wo zum Beispiel die Kamera stehen muss, damit ein
Einschuss gut sichtbar ist. Die Action-Tage waren meine absoluten Lieblingstage.

Der Film erzählt von zwei unterschiedlichen Teams, die gegeneinander kämpfen. Habt ihr euch für jedes Team eine andere visuelle Darstellung überlegt?

Kaspar: Es gibt zum Beispiel eine Szene, in der die beiden Teams aufeinander treffen. Obwohl
der Raum derselbe ist, haben wir die Teams unterschiedlich dargestellt. Einerseits über die
Choreographie, die bei dem BEAT Team klarer, grafischer ist und an eine Boyband erinnert,
während sie bei den „Children“ wilder, aggressiver, unkoordinierter ist. Andererseits haben wir mit der Kamerabewegung und dem Licht versucht, diesen Effekt zu verstärken. In der
Einstellung auf die „Children“ ist die Kamera losgelöster, sie bewegt sich mit und kann auch
gekippt sein. Wir haben versucht, „unsaubere“ Einstellungen zu finden.

Daniel: Der zweite große Dualismus im Film ist Ordnung gegen Chaos. Gerade auch im
Kostümbild hat unser Kostümbildner darauf geachtet, dass bei den „Children“ nichts
symmetrisch ist. Wir haben ganz viel mit Asymmetrie gearbeitet.

Wann können wir das Actionmusical sehen?

Daniel: Wir wollen Hard Way überall auf der ganzen Welt bei Festivals einreichen. Besonders
würde es mich aber auch freuen, wenn der Film in Deutschland ein Publikum findet und auf
Festivals läuft. Ich habe das Gefühl, dass sich in Deutschland bezüglich Genrefilmen etwas tut.

Inwiefern?

Daniel: Gerade mit Victoria, der in aller Munde ist, oder Der Samurai wird deutlich, dass Genrefilme Beachtung erfahren. Ich glaube, dass wir gerade zur rechten Zeit kommen.

ZUM INHALT
Hard Way erzählt die Geschichte von Jake, der in einem missglückten SWAT-Einsatz seinen besten Freund Zach verliert. Die Terroristin „The Mother“, die zusammen mit ihren „Children“ Detroit und irgendwann wahrscheinlich die ganze Welt unsicher macht, hat ihn auf dem Gewissen. Acht Monate später hat Jake die Chance, Zach zu rächen. Mit seinem BEAT-Team stürmt er das Hauptquartier der gefährlichen Terroristin und will sie singend und tanzend festnehmen.

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